Caddy-Jet

Nach einer Langen Zeit der Stille gibt’s endlich mal wieder eine kleine Aktualisierung meiner  Web-Seite. Es ist nicht so, dass ich das Interesse an Gasturbinen verloren hätte, im Gegentail, ich bin mehr und mehr eingebunden in die Entwicklung von solchen Aggregaten und bin diesbezüglich auch beratend tätig. Dadurch bleibt leider einfach zu wenig Zeit, um diese Seite regelmäßig zu aktualisieren. In der Zwischenzeit habe ich meine Ru19A-300 gegen eine RR Gnome H-1200 eingetauscht (leider ohne starter, falls also einer der Leser einen passenden überzählig haben sollte, wäre ich über eine Benachrichtigung sehr glücklich...). Aber gestern (8. April 2006) habe ich einen sehr interessanten Mann getroffen, der gar nicht so weit von meinem Heimatort entfernt wohnt - sein Name ist Willy H. Müller. Er hat eine wirklich beeindruckende “Anwendung” für die Ru19A-300 gefunden, und ich möchte meine Eindrücke gerne mit den Besuchern meiner Seite teilen:

Ist das nicht ein Wahnsinns-Gefährt? Ich denke, alle Autos sollten so aussehen! Es scheint, dass der VW Caddy für solche Projekte eine sehr gute Plattform darstellt, denn ein anderer Turbinenenthusiast (Adrian Bennett aus England, http://www.jetpower.co.uk) hat etwas ganz ähnliches gebaut, wenngleich mit einer anderen Turbine. Soweit ich weiß, haben Adrian und Willy nichts von den Projekten des jeweils anderen gewusst. Doch dürfte Willy’s Ru19 mehr als den doppelten Schub der modifizierten Gnome bringen, die Adrian verwendet hat. Aber selbst letztere ist wohl noch stark genug, um “Spass zu haben”. Es folgen einige weitere Fotos:

Zwei turbinenverrückte im Gespräch, links Willy, rechts meine Wenigkeit. Dies ist einer meiner Lieblings-Blickwinkel auf den Caddy-Jet. Willy hat wirklich ein phantastisches Stück Arbeit daran geleistet. Das beste daran ist aber, dass der Caddy-Jet eine Straßenzulassung hat -- natürlich nur, wenn er mit dem normalen VW-Motor fährt, der immer noch eingebaut ist. Da Willy Besitzer einer freien Autowerkstatt ist, kennt er sich hervorragend mit Autos und Motorrädern aus und weiss genau, worauf er bei dem Umbau des Caddys zu achten hat, um die Zulassungsvorschriften einzuhalten.

Man schaue sich nur diesen wunderbaren Einlauftrichter mit Ansaugschutz an, den Willy extra hat anfertigen lassen!

Auf der anderen Seite des Turbojets sitzt unterhalb des Verdichters der Kraftstoffregler. Die runde Scheibe neben der diagonalen Strebe des Halterahmens sitzt auf der Steuerwelle zur Schubregelung, und wird über zwei Bowdenzüge durch einen Schubhebel vom “Cockpit” aus betätigt:

Der Schubhebel ist einer Russischen “MiG” entliehen...

...hier sollte man sich besser nicht aufhalten, wenn das Ding am laufen ist...

Die “heisse Seite” der Ru19A-300 ist schon ziemlich beeindruckend!

Und um so mehr, wenn der “Russische Bär” darin zum Leben erweckt wird. Willy sagte mir und meinem Freund Jürgen, der mich auf der Fahrt begleitete, dass die Ru19 gar nicht so laut wäre und wir keine “Mickeymäuse” bräuchten. Eigentlich hätten wir es besser wissen müssen (na ja, ich hatte Ohrenschützer in der Hand und stand in einigem Abstand vor dem Caddy), aber Jürgen ist “hart im Nehmen” und hat das obige Foto ohne Stöpsel auf den Ohren aufgenommen...

Die Urgewalten, die in einer solchen Maschine schlummern, sind geradezu unglaublich. Wir haben ja schon einiges an kleineren Triebwerken erlebt, aber das Teil hier ist dann doch einige Nummern heftiger. Ich glaube nicht, dass es irgendeinen Weg gibt, dieses Geräusch so aufzunehmen, dass man es auch nur näherungsweise so eindrucksvoll wiedergeben könnte. Aber ich habe dennoch ein kleines Video von dem Lauf aufgenommen. Und obwohl die Kamera deutlich seitlich vom Abgasstrahl stand und auch ordentlich weit entfernt war, wurde sie beinahe umgeblasen, und auch das Mikrofon hatte eine schwere Zeit... Die massive Luftbewegung führte zu kleinen Wirbelstürmen am Boden, die durch aufsteigends Laub und Staubwirbeln sichtbar wurden.

Willy beschleunigte die Ru19 bis auf 90% der Nenndrehzahl. Er sagte uns, wenn er mehr Gas gäbe, würde sich der Wagen trotz stehender Räder in Bewegung setzen... In Ermanglung einer geeigneten Teststrecke konnte er den Caddy-Jet bislang leider noch nicht richtig “gehen lassen”. Aber vielleicht ergibt sich demnächst ja mal eine Gelegenheit dafür. Auf jeden Fall ist hier das Video:

Caddy-Jet Video (13MB)

Hier ist noch ein nettes Abzeichen (Luftwaffe 1/JG 400), das Willy auf den Caddy-Jet lackiert hat. Das Gefühl, diese “Kiste” zu fahren, muss dem sprichwörtlichen Ritt auf der Kanonenkugel wirklich ziemlich nahe kommen... Münchhausen lässt schön grüßen ;-)

Willy hat noch einige der Ru19A-300 Triebwerke verfügbar, die er für ähnliche Projekte anderer Enthusiasten veräußern würde. Zudem kennt er sich mit der Inbetriebnahme dieser Turbojets hervorragend aus und würde dementsprechend Hilfestellung geben. Die Turbinen wird es nicht “für geschenkt” geben, aber der Preis ist fair, und man bekommt ja auch einen Gegenwert. Interessierte möchten sich bitte mit Willy Müller per E-Mail in Verbindung setzen: <wiheimue(at)arcor(dot)de> .